Lac d'Emosson, Wallis, bei Martigny, Schweiz
Kultur Persönlich

6 Monate in der Schweiz – Was mir bis jetzt aufgefallen ist

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Seit ungefähr sechs Monaten lebe ich nun schon im schweizerischen Zürich. Daher möchte ich gerne ein paar Erfahrungen mit euch teilen.

1. Klasse

Die Schweiz ist bekannt für ihre teuren Uhren, Banken und das exporitant hohe Preisniveau. Um sich treu zu bleiben gibt es in allen Zügen eine vergleichbar große Anzahl an Wägen der 1. Klasse. In der S-Bahn muss man schließlich komfortabel reisen. Schade dass man Züge noch nicht in der Limosinen-Buttler-Ausstattung via Uber vor die Haustür ordern kann. Mehr Extravaganz im Komfortbereich gibt es wahrscheinlich nur im Silicon Valley.

Sauberkeit

In der Schweiz gibt es an fast jeder Ecke Mülleimer, was dazu beiträgt, dass die Stadt sehr ordentlich und sauber ist. So sollte das überall sein. Ein anderes Beispiel: Selbst am Tag nach der Streetparade war in der Innenstadt fast nichts mehr davon zu erkennen. Respekt.
Dafür gibt es kein wirkliches System für Papierabfälle. Die müssen gebündelt an den Straßenrand gelegt werden. Die kleinen Papierfetzen und Notizen dienen dann als Konfetti. Karneval das ganze Jahr. Spezielle Mülleimer oder Sammelstellen gibt es so nicht.
Dafür gibt es sehr gut bezahlte Zivildienste, bei dem ein Arbeitnehmer einige Wochen aus der Arbeitswelt gerissen wird um die Umwelt sauber zu halten. Lobenswert.

Kommunikation: Konsequenz und Kontext

In WhatsApp-Gruppen mit vielen Internationalen wird trotzdem in Schweitzerdeutsch geschrieben. Die Logik: Die richtige Auswahl der Zielgruppe fördert das Sprachverständnis, was einem die Kultur und Sprache näherbringt. Muss ja. Die Nuancen in den verschiedenen Dialekten sind folgerichtig ebenfalls entsprechend zu erkennen und zu interpretieren.
Gleiches gilt beim Bäcker. Versteht der Verkäufer oder die Verkäuferin nicht welches Brötchen man will, sollte man lieber die internationale Zeigesprache verwenden. Konsequent. Sonst treibt man das Croissant noch auf das Gipfeli.
Das Scharfess (ß) und das doppelte S. Die Schweiz tut nichts in Maßen, nur in Massen. Es ergibt sich alles aus dem Kontext. „Trinkt bitte nur in Massen.“ Beim Fondue oder Raclette gilt das sicherlich. Da gibt es nur ein Ziel. Aber das ist auch gut so. Das Mail, die E-Mail und die Email sollte man auf jeden Fall nicht in einen Emaille-Topf stecken. Da sollte man lieber etwas Neues posten (=einkaufen) gehen.

Gemeinschaftsgefühl

„Zürich is a tough city to be alone.“ Übersetzt heißt das so viel wie, es ist schwer Anschluss zu finden. Ich persönlich kann und will mich nicht beschweren. Es ist immer schwer. Im Vergleich zu anderen Städten gibt es doch eine gefühlte Abgrenzung. Eine gewisse Unnahbarkeit durch die eingepsielten und geordneten Strukturen. Es gibt wenig Raum der noch nicht besetzt ist. Das gilt für die Wohnsituation in den Städten, als auch für die zwischenmenschlichen Beziehungen.
Es ist allerdings einfach aus dem Trott auszubrechen. Gefühlt jeder Zweite hat ein General Abonnement (GA), bei dem die ganze Schweiz bereist werden kann. Quasi wie die Bahncard 100, funktioniert nur flächendeckender und ist erschwinglicher. So kann man einfach die verschiedenen Kulturen und das Land erforschen. Günstiger geht es mit der Halbtax.

Schnelligkeit

Wie das schweizer Uhrwerk geht alles im Takt. Wie die Deutsche Bahn, nur ein wenig zu spät. Die Schweiz ist bei allem ein wenig beharrlicher, abwartend. Trends im Ausland werden erst begutachtet und später übernommen. Sofern es für gut befunden wurde. So lassen sich Fehler vermeiden. First Mover Advantage ist nicht immer nötig.
Dafür kann man in gefühlt keiner Zeit an einer Landesgrenze sein. Drei Stunden ist man ungefähr unterwegs, dann hat man die Schweiz durchquert. Mit den pünktlichen und gut ausgebauten öffentlichen Netzen. Hut ab.


Anmerkung: Ironie und Sarkasmus nur in Maßen und wo es hingehört. Überspitzungen, keine. Lob, ernstgemeint.

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