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Rugby 101 – Eine Einführung

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Rugby ist eine der am schnellsten wachsenden Sportarten. Rugby ist in der 7er-Variante (wieder) olympisch. Deutschland ist im Rugby nicht Weltmeister, sondern muss um die WM-Teilnahme kämpfen. Und die dominierenden Neuseeländer haben sich mit ihrem Haka eingeprägt. Rugby ist aufregend, anders.

Genau deshalb habe ich schon des Öfteren bei Barcamps eine Einführung zu Rugby gegeben. Ich bin weder Experte, noch kenne ich die Spielregeln ins allerletzte Detail. Aber wer kenn das selbst im Fussball von sich behaupten? Dafür habe ich in den letzten acht Jahren in diversen Ländern und Clubs Rugby gespielt – von meinem ersten Verein, UWRF Rugby in Wisconsin, bis zu GC-Rugby in der schweizerischen LNA. Bei CBS Sport Rugby in Kopenhagen und mit den Ravensburg Ravens im Dreiländereck Bodensee.

Quelle: Rugby Cassel (alles nur geklaut) > gerne unterstützen!

Varianten

Wie Varianten? Richtig, im Rugby gibt es drei verschiedene Varianten: Rugby Union, Rugby League und Rugby Sevens. Erstere und Letztere sind stark verwandt, nur dass die 7er Variante mit nur sieben Spielern, sieben Minuten pro Halbzeit gespielt wird. Diese Variante ist olympisch und wird meist im Turnierformat ausgetragen.

Female 7s

Rugby League (13 Feldspieler) ist eine abgeänderte Version die sich als professionelle Variante des damaligen Amateursport Rugby (Union) entwickelt hatte. Mittlerweile ist die bekannteste Variante, Rugby Union, auch professionalisiert.

Im weiteren Verlauf werde ich nur noch auf Rugby Union eingehen, meist in der 15er aber teils auch in der 7er Variante.

Regeln

Rugby Union wird mit 15 Mann pro Team, 40 Minuten pro Halbzeit gespielt. Gepasst werden darf nur zur Seite oder nach hinten. Punkte können durch Ablegen des Balls in der Endzone (5 Punkte) und durch Kick über die Torstangen (2-3 Punkte) erzielt werden. Als Kontaktsport ist es im Rugby weiter erlaubt den Ballträger – sonst niemanden – zu Boden zu bringen.

Das Feld ist in etwa so gross wie ein Fussballfeld und hat nach dem Toraus einen Bereich zum Ablegen des Balles (Malfeld). Darüber hinaus gibt es noch diverse andere Linien die als Hilfe für Standardsituation und zur Regelkontrolle dienen.

So die ganz kurze Fassung. In den folgenden Absätzen werde ich nun etwas mehr ins Detail gehen.

Mannschaft

Eine 15er Rugby-Mannschaft besteht aus acht (8) Stürmern (Forwards) und sieben (7) Hintermännern (Backs). Die Stürmer sind meist gross und kräftig und versuchen die Gegenspieler mit direkten, schlagkräftigen Vorstössen zu binden, damit die eher wendigen Backs die Gegner umlaufen können.

Darüber hinaus haben alle Position – wie im Fussball auch – gewisse Besonderheiten. Die Pfeiler (Props) bieten Stabilität im Scrum (Standardsituation), der Scrum- und der Fly-Half sind die Verbindungsspieler zwischen den Mannschaftsteilen, und der Fullback ist mehr oder weniger der Libero.

Passen

Pässe dürfen im Rugby, wie oben erwähnt, nur seitlich oder nach hinten erfolgen. Somit muss zwangsläufig im Team gearbeitet werden, denn ein Einzelner ist aufgeschmissen wenn er keinen Rückhalt durch die Mitspieler hat. Ohne die Passoption nach hinten geht es nicht voran.

Da der Ball nicht nach vorne geworfen werden darf, ist es auch ein Vergehen, wenn der Ball – aus Versehen – nach vorne verloren wird (Knock-on).

Zu vieler Verwunderung darf der Ball auch gepasst werden, wenn der Tackle bereits erfolgt und auch, im Gegensatz zum American Football, wenn der Mitspieler bereits den Boden berührt.

Offloads

Punkte erzielen – Versuch

Die meisten Punkte, fünf (5) an der Zahl, können durch die Ablage des Balls in der gegnerischen Endzone erlangt werden (vgl. Rugby-Regeln World Rugby). Dies ist der Bereich hinter der Torlinie. Allerdings, konträr zum American Football, muss der Ball tatsächlich aktiv abgelegt werden. Dies hat schon einige Rugbyspieler in Verlegenheit gebracht. Nach dem Versuch (Try) kann ein Conversion Goal durch einen Kick über bzw. durch die Stangen für zwei (2) Punkte erlangt werden.

Ein Drop-Goal (Kick aus dem Spiel heraus) und ein Strafstoss (platziert) geben drei (3) Punkte. Daneben gibt es bei einem krassen Regelverstoss auch die Option für den Schiedsrichter einen Penalty Try ohne zusätzliche Conversion für sieben (7) Punkte zu vergeben.

Endzone Tackle No Try Fiji

Try saving / endzone ITM cup

Try Savers

Kicken

Für Punkte

Wie erwähnt, darf nach jedem Versucht (Try) der Ball durch die Torpfosten für ein Extra an zwei (2) Punkten befördert werden. Hierbei bestimmt die Position des Trys (hinter dem To) ebenfalls die Position des Kicks vor dem Tor. Heisst, je weiter aussen der Versuch, von desto weiter aussen muss auch gekickt werden.

Weiter darf auch während des Spiels über das Tor gekickt werden. Dies kann sowohl im Spielgeschehen mittels Drop-Goal oder platziert bei einem Strafstoss erfolgen. Beides gibt weitere drei (3) Punkte.

Darüber hinaus können – im Gegensatz zum präziseren händischen Passspiel – Kicks eingesetzt werden um nach vorne zu passen und so womöglich einen Versuch (oder Platzgewinn) zu erzielen.

Ohne Punkte

Kicks im Rugby sind auch ohne Absicht auf Punkte erlaubt und werden relativ häufig eingesetzt. Meist ist dies taktisch, zum Beispiel um Raum zu gewinnen oder um einen gewissen Vorteil zu erlangen. Zum Beispiel kann ein Strafkick in das Seitenaus befördert werden, hierdurch erlangt man einen Einwurf (Throw-in mit oder ohne Line-out).

Nach einem Versuch oder zum (erneuten) Anpfiff wird ebenfalls mit einem Kick angestossen.

Laws of kicking:

Dropgoal

Einwurf

Bei einem Einwurf kann der Spieler sich für eine schnelle Variante (Quick Throw-In) entscheiden, solange sich keine Gasse (Lineout) gebildet hat. Dies ist eher unüblich, aber kommt vor. Bei einem Lineout wird der Ball in die Mitte der Gasse geworfen und beide Mannschaften versuchen – zum Beispiel über das Heben von Mitspielern – an den Ball zu kommen. Dabei muss der Ball vom Einwerfenden gerade, bzw. mittig eingeworfen werden. Einen strategischen Vorteil erlangt die einwerfende Mannschaft durch geplante Abläufe und präzisierte Würfe.

Von wo der Ball eingeworfen wird hängt von der Situation ab. Wenn ein Kick von innerhalb des 22-Meter-Bereiches (siehe Slides) direkt ins Aus geht, wird von der Stelle eingeworfen wo der Ball die Linie überquerte. Wenn von ausserhalb gekickt wird und der Ball direkt ins Seitenaus wandert, wird von der Stelle des Kicks eingeworfen. Ausserhalb und mit Bounce, dann wo er die Linie überquerte. Wenn ein Spiele die Seitenlinie überschreitet wird selbstverständlich von dieser Position eingeworfen.

Darüber hinaus gibt es noch sehr viele Feinheiten, alles zu erklären wäre eine Mammutaufgabe und für eine erste Einführung unangebracht. Wen es interessiert kann aber die Regeln auf worldrugby.org studieren.

Scrum, Maul & Ruck

Der Scrum (geregeltes Gedränge nach einem Vergehen), der Maul (im Spiel heraus), oder der Ruck (Gedränge zum Beschützen des Balls) sind Standardsituationen im Rugby. Sie alle haben die Absicht den Gegner vom Erlangen des Ballbesitzes durch Zusammenhalt und Kraft zu hindern. Darüber hinaus sind sie auch gute Mittel um durch geballte Power, geschlossen Boden gut zu machen (Scrum & Maul).

Regelverstösse

Abseits

Im Rugby gibt es, auch wenn es manchmal nicht den Anschein macht, auch Abseits. Dies passiert beispielsweise beim Kicken des Balles oder auch bei Rucks. Die Pi mal Dauen Regel wäre, dass immer auf Ballhöhe oder die verlängerte Ballhöhe, wie beim Ruck, Scrum oder Maul, die Abseitslinie bildet. Aber wie immer gibt es hier viele Ausnahmen.

Zum Beispiel beim Ruck, hier haben die Italiener beim letzten Six-Nations-Turnier das Regelwerk bis ins letzte Detail studiert. Dabei haben sie keine eigenen Spieler in den Ruck geschickt, weswegen überhaupt kein Ruck und somit auch kein Abseits zustande kam. Dies wurde, quelle surprise, im Nachhinein angepasst, da sich die Engländer benachteiligt fühlten.

„Ohne direkt beteiligte Gegenspieler jedoch kein Ruck, dies besagt Paragraf 16 des Regelbuchs. Und ohne Ruck kein Offside. Die Italiener konnten die Engländer daraufhin also ungestraft attackieren.“ – David Wiederkehr, Tagesanzeiger

Foul

Wie im Fussball gibt es auch im Rugby Fouls. Neben den typisch taktischen Fouls wie Abseits oder das Blocken eines Gegenspielers, gibt es auch schwerwiegende Regelverstösse und Tätlichkeiten. Denn auch im Kontaktsport gelten schützende Regeln. So dürfen Spieler nicht über den Schultern getackelt werden und nicht über die Horizontale gebracht werden. Weiter müssen Tackles immer kontrolliert sein. Der tackelnde Spieler muss entsprechend die Arme um den Spieler haben und darf nicht Schulter oder Kopf voran in einen Tackle gehen.

Dangerous charge / cleanup ruck

Lift-Tackle, tip-tackle

Shoulder Charge – Sonny Bill William (NZ)

Natürlich gibt es auch weitere Regelverstösse, aber das ist für einen Abend im Pub. Bei einem guten Rugbyspiel.

Fairness & Respekt

Faszinierend an Rugby ist auch der gegenseitige Respekt. Nicht nur Mitspieler, sondern auch Gegner, Fans und Schiedsrichter. Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt, aber im Vergleich zu anderen Sportarten, auch gerade wegen der Härte, ist im Rugby Respekt stark verankert.

Dadurch dass nur nach hinten gepasst werden darf, braucht es die Unterstützung der Mannschaft. Zwar gibt es im Rugby auch bekanntere und unbekanntere Spieler, allerdings weitaus weniger Ego-Aktionen als im Fussball. Denn das ist – wie im echten Leben auch – riskant bis fatal. Entsprechend gibt es auch keine bestimmten Nummer für (scheinbar) wichtige Spieler, sonder es wird in seiner Position für die Mannschaft gespielt.

 

In den USA hatte ich mich 2012 dagegen entschieden Rugby zu spielen, da sich bei einem lokalen Spiel sogar Schiedsrichter und Trainer prügelten. Nicht dem Sportgeist entsprechend, ein wenig US-amerkianischer Einfluss vom Football womöglich.

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